Hundetraining

                                               Wir trainieren…

…partnerschaftlich als Mensch-Hund-Team
Hundetraining bedeutet für uns „Training mit Mensch und Hund im Team“. Es soll ein Mensch-Hund-Team entstehen und der Hund wird bei uns als Partner gesehen. Es geht nicht darum, den Hund zu unterdrücken oder ihn mit Druck oder Gewalt in ein erwünschtes Verhalten zu drängen. Viel schöner ist es doch, wenn der Hund gerne und ohne Angst mit uns arbeitet. Vertrauen, Sicherheit und gegenseitiger Respekt sind Grundsteine für eine lange und intensive Mensch-Hund-Beziehung. Grenzen setzen gehört gleichermaßen dazu – aber eben auf freundliche und respektvolle Art und Weise.

…auf der Basis positiver Verstärkung
Wir trainieren gewaltfrei und auf der Basis positiver Verstärkung. Dann macht der doch alles nur fürs Leckerchen? Falsch gedacht. Kritisch formulierte Bedenken bei der Belohnung mit Futter begegnen einem immer wieder. Man wolle seinen Hund schließlich nicht bestechen und er solle nicht nur gehorchen, damit er ein Leckerchen bekommt. Einige Menschen geben daher nur ungern Leckerchen und gehen sehr sparsam damit um. Damit tut man sich jedoch keinen Gefallen: Denn der Hund lernt langsamer und man fühlt sich in seinem Denken bestätigt. Die Motivation für den Hund, etwas zu tun, ist jedoch das A und O im Hundetraining. Hunde lernen am effektivsten, wenn sie für das gewünschte Verhalten belohnt werden. Denn: Hunde lernen am Erfolg. Verhalten, mit welchem sie Erfolg haben, werden sie immer häufiger zeigen. Währenddessen werden sie ein solches, worauf ein Misserfolg folgt, seltener bis irgendwann gar nicht mehr zeigen. Belohnungen sollen den Hund somit darin bestärken, das gewünschte (Alternativ-)Verhalten immer häufiger anzubieten und anzuwenden. Die Belohnung sollte für den Hund attraktiv genug sein, dass er bereit ist, sich dafür anzustrengen. Futter ist dabei durchaus ein guter Verstärker. Es ist nicht nur gut dosierbar, sondern kann auch in der Wertigkeit unterschieden werden. Für einen wirklich guten Verstärker können Hunde bis an ihre Grenzen gehen. Positive Verstärkung ist daher bestens dafür geeignet, langfristig eine enge Bindung aufzubauen und eine gute „Arbeitsmoral“ des Hundes aufzubauen. Auch zur Vorbeugung und zum Training so genannten Problemverhaltens ist die positive Verstärkung zu empfehlen, da sie nur äußerst selten aggressives Verhalten begünstigt. Die Sorge, dass der Hund nur gehorcht, wenn ihm vorher ein Leckerchen in Aussicht gestellt wird, ist trotzdem nicht ganz unbegründet: Hier handelt es sich um einen Trainingsfehler, indem die Technik des „Lockens“ nie ganz abgebaut wurde. Das Locken sollte man allenfalls zu Beginn des Trainings anwenden und rasch wieder ausschleichen. Um ein bestimmtes Verhalten vom Hund zu erhalten, eignen sich am besten die Techniken des „Einfangens“ und des „freien Formens“.

… mit Hilfe eines Markerwortes
Timing ist das A und O im Hundetraining: Hunde können nur das, was gleichzeitig oder max. 2 Sekunden später auf ihr Verhalten folgt, damit verbinden. Im Idealfall erfolgt die Belohnung eine halbe bis eine Sekunde nach Beginn des Verhaltens. Für uns Menschen heißt das, dass wir besonders schnell sein müssen. Mit unserer Reaktion, der Belohnung, mit allem auf das Verhalten folgende. Um hier Abhilfe zu schaffen, gibt es die Möglichkeit mit Hilfe eines Clickers oder Markerwortes Verhalten zu markieren und anschließend zu belohnen. Wir überbrücken so die Zeit vom gezeigten gewünschten Verhalten des Hundes hin zur Belohnung. Mein Kramen nach dem Leckerchen hat dann nicht mehr die negative Auswirkung – die Verzögerung des gewünschten Lernprozesses -, wie möglicherweise ohne Brückensignal. Ein Beispiel: Wir wollen zwei Hunde in den gemeinsamen Freilauf lassen. Einer der Hunde zieht erwartungsvoll an der Leine zum anderen Hund. Wir warten bis er Ruhe zeigt und die Leine durchhängt. In diesem Moment wollen wir die Leine lösen und ihn so für seine Ruhe belohnen. Doch bis meine Hand an Halsband oder Geschirr ankommt, zieht er schon wieder. Setzen wir im entspannten Moment des Hundes das Brückensignal, haben wir nicht nur die Zeit vom gewünschten Verhalten zur Belohnung überbrückt, wir haben auch im richtigen Moment das richtige Verhalten markiert. Außerdem haben wir einen Hund, welcher sich uns bereits zuwendet und wahrnimmt, dass und wofür er belohnt wird.

…das Abwenden von Reizen und fördern Ruhe
Negativ auffallen tun meist solche Hunde, welche sehr stark auf Reize reagieren. Hunde, die es noch nicht schaffen, sich von vorbeilaufenden Menschen abzuwenden. Hunde, die noch nicht gelernt haben, das Passieren bewegender Objekte entspannt auszuhalten und versuchen Jogger und co hinterher zu laufen. Hunde, die in Richtung jedes anderen Hundes ziehen und dessen Vorbeikommen nicht ohne große Aufregung hinnehmen können. Es ist daher viel wert, wenn Hunde bereits im Welpenalter lernen, dass es sich lohnt, sich von Reizen abzuwenden. Sich zu beherrschen und ruhig zu handeln bzw. abzuwarten sind wichtige Grundlagen für einen sozial sicheren erwachsenen Hund. Zum Reizreaktionstraining gehört das Training der Impulskontrolle. Es geht darum Ruhe zu bewahren und nicht auf jeden Reiz zu reagieren, sondern abwarten und aushalten zu lernen. Der Deal: Wenn der Hund erst das vom Menschen gewünschte Verhalten zeigt und kurz abwartet, darf er als Belohnung genau das tun, was er vorher tun wollte. Eine weitere Grundlage ist das Blickkontakttraining: Ein Blick des Hundes ist goldwert – er ist wie der „Anmachknopf“ des Hundes. Blickkontakt heißt so viel wie „Ich bin bereit etwas mit dir zu machen!” Kurz: Der Hund ist kommunikationsbereit. Ein Hund der nicht mehr guckt/ansprechbar ist, dessen Aufmerksamkeit haben wir in diesem Moment nicht und die Zusammenarbeit ist erschwert. Von Anfang an findet daher kein unruheförderndes Training in Form von Dauerspielen statt, sondern es wird immer wieder Ruhe belohnt, Entspannungs- wie Ruheübungen ins Training integriert und die Konzentration auf den Menschen gefördert.

…eine gute Führungskraft zu werden
Das Wort „Führen“ hat einen negativen Beigeschmack erhalten. Es soll uns dabei jedoch nicht darum gehen übermäßig autoritär zu sein, sondern „den Hund durchs Leben zu führen“. In diesem Kontext hört sich „Führen“ gleich positiver an. Denn genau das benötigt der Hund: Jemanden, der ihm die Spielregeln vermittelt und diese nicht täglich ändert. Es ist wichtig, dass wir berechenbar sind und für den Hund eine Struktur schaffen, welche ihm Orientierung bietet. Das gibt Sicherheit. Sicherheit, welche der Hund benötigt, um sich auf den Menschen zu verlassen und in den verschiedensten Situationen entspannt zu sein. Nicht er hat sich draußen um eine kritische Situation zu kümmern, nicht er muss sich mit dem Postboten auseinandersetzen und nicht er bestimmt die Uhrzeit der Fütterung, des Spiels oder sonstigen Tuns. Er kann sich ganz entspannt zurücklegen wenn er weiß, dass dies alles „Menschen-Aufgaben“ sind und diese auch sicher ausgeführt werden. Denn Schwierigkeiten kommen auf, wenn der Hund gelernt hat, dass er selbst aktiv werden muss, um für seine Sicherheit zu garantieren. Z.B. für die Sicherheit an der Leine. Vielleicht musste der Hund immer wieder erleben, wie er an der Leine bedrängt oder gar gebissen wurde? Herrchen oder Frauchen haben dann aus seiner Sicht versagt bzw. die Aufgabe nicht alleine stemmen können. Daher macht er beim nächsten Mal lieber Terz an der Leine und löst damit das Problem eigenständig: Die anderen Menschen machen mit ihren Hunden einen großen Bogen und die Sache ist geritzt: „Beim nächsten Mal mache ich das wieder – ich hatte ja schließlich Erfolg.“

Führung übernehmen bedeutet auch Verantwortung übernehmen und den Hund, wenn es die Situation erfordert, zu beschützen. Verantwortungsübernahme beginnt bereits dann, wenn der Hund dem Menschen durch Bellen anzeigen will, dass jemand an der Tür ist. Dann ist es Aufgabe des Menschen nachzusehen und zu demonstrieren „Es ist alles in Ordnung”. Verantwortung übernehmen bedeutet aber auch, in Hundebegegnungen einzugreifen, wenn dies erforderlich ist. Ein Beispiel: Bei einem Zusammentreffen mehrerer Hundehalter wollen diese ihre Hunde spielen lassen und leinen sie dazu ab. Einer der Hunde zeigt durch seine Körperhaltung und den Versuch des Rückzugs deutlich, dass er den Kontakt nicht will. Er macht sich, als er von den anderen Hunden bedrängt wird, beim Besitzer durch Verstecken hinter den Beinen und anschließendem Hochspringen bemerkbar. Dieser ignoriert es mit einem „Geh schön spielen” oder sanktioniert den Hund gar noch für das Springen. Auch die anderen Halter greifen nicht ein und fordern ihre Hunde nicht zur Zurückhaltung auf. Der in die Enge getriebene Hund kommt mit seinem Halter immer wieder in solche Situationen. Folge kann sein, dass er schon bald beginnt bei Hundebegegnungen (an der Leine) reaktives Verhalten zu zeigen, um auf Nummer sicher zu gehen und bereits im Vorfeld auszustrahlen: „Komm lieber gar nicht erst näher”. Der Hund hat hier gelernt, dass er nicht auf Sicherheit durch den Menschen zählen kann und die Sache selbst in die Hand nehmen muss.

Wenn es im Alltag zu problematischem Verhalten des Hundes (aus Sicht des Menschen) kommt, liegt dies demnach häufig daran, dass der Mensch es nicht schafft, eine gute Führungskraft zu sein. Ein harmonisches und stressfreies Zusammenleben ist möglich, wenn der Mensch lernt dem Hund Sicherheit zu vermitteln und ihn durchs Leben zu führen. Der Mensch ist es daher, der die Regeln für das tägliche Zusammenleben aufstellen und den Alltag strukturieren sollte. Er verwaltet, was dem Hund das Leben angenehm macht: Futter, Liegeplätze, Spielzeug, Freilauf, menschliche Zuwendung etc. All dies teilt er ein, indem er Zeitpunkt und Umfang des Ressourcenerhalts bestimmt. Futter sollte beispielsweise nicht dauerhaft zur Verfügung stehen und ein Spiel nicht immer dann beginnen, wenn der Hund dem Menschen ein Spielzeug vor die Füße wirft. Um die Ressource Futter einzuteilen und die Bindung zwischen Mensch und Hund zu stärken, arbeiten wir u.a. mit dem Futterbeutel (Preydummy). Diese Arbeit ist ein gemeinsames Tun von Mensch und Hund. Der Mensch kann durch den mit Futter gefüllten Leinenbeutel zum interessanten Spielpartner und Begleiter für den Hund werden. Denn ein gemeinsames Ziel wird angestrebt, welches man nicht alleine, sondern nur im Team bewältigen kann: Der Hund kommt nur dann zum Erfolg, wenn er mit dem Menschen zusammenarbeitet, welcher den Futterbeutel für ihn öffnet. Der Futterbeutel ist dabei eine gute Möglichkeit den Hund sein Futter selbst erarbeiten zu lassen. Ob zu Hause oder auf dem Spaziergang – das Futter kommt direkt vom Menschen.

…auch hündisch zu denken!
Wir sind keine Hunde und das werden wir nie sein. Wir können uns aber versuchen in sie hineinzuversetzen. Hunde sind sehr anpassungsfähige Wesen. Trotzdem erleichtern wir uns und ihnen eine Menge Stress, wenn wir die Spielregeln so aufstellen, dass wir ihre arttypischen Gegebenheiten beachten und ins Training einfließen lassen. Wir trainieren daher in Kleingruppen, um keinen unnötigen Stress durch unüberschaubar große Gruppen aufkommen zu lassen und die Individualdistanz („Wohlfühlbereich“) des Hundes einzuhalten. Ebenso beachten wir körperliche (Beschwichtigungs-) Signale des Hundes und lernen diese zu erkennen und darauf einzugehen. Da der Hund sein Verhalten generalisieren muss, trainieren wir an unterschiedlichen Orten. D.h. es gibt kein ausschließliches Training auf festem Hundeplatz, sondern Training in Alltagssituationen. Ein Hund, welcher im Wohnzimmer „Sitz“ macht, kann dies noch lange nicht in der Fußgängerpassage der Innenstadt abrufen. Ein Hund muss sein Verhalten festigen und generalisieren, sprich: Auf andere Orte und Reize übertragen und letztlich verallgemeinern. Daher müssen die Reize langsam gesteigert werden. „Hündisch“ trainieren heißt auch, dass keine einseitige verbale Kommunikation stattfindet. Auch wenn wir Menschen uns sehr gerne reden hören, so ist die Sprache der Hunde doch die mit dem Körper – die Körpersprache. Wir wollen lernen, den Hund zu lesen und zu verstehen. Dadurch erleichtern wir nicht nur unser Zusammenleben, sondern machen es auch für den Hund stressfreier und lebenswerter.

 

Das Wichtigste in Kürze im Überblick:

  • Kein ausschließliches Training auf festem Platz, sondern Training in Alltagssituationen

  • Kein Training in unüberschaubaren Gruppen, sondern Kleingruppen- und Einzeltraining

  • Keine einseitige verbale Kommunikation, sondern Einsatz der Körpersprache

  • Keine Missachtung der Hundesprache, sondern Einhalten von Individualdistanz (Wohlfühlbereich des Hundes) und Beachtung körperlicher (Beschwichtigungs-)Signale des Hundes

  • Keine Anwendung von Gewalt, sondern positive Bestärkung

  • Kein unruheförderndes Training in Form von Dauerspielen, sondern Ruhe belohnen, Entspannungs-/ und Ruheübungen und Förderung der Konzentration auf den Besitzer